Talent-Schulen

Talent-Schulen

06.11.2017 Düsseldorf

30 Talent-Schulen für bessere Bildung
 

Im Video erklären die FDP-Bildungsexpertin Franziska Müller-Rech und der Bildungsforscher Helmut E. Klein die Idee der Talent-Schulen.

07.11.2017 I Düsseldorf

Werkstattgespräch der FDP-Landtagsfraktion NRW
Aufstiegschancen für alle: Talentschulen für Nordrhein-Westfalen

Foto v. l. n. r.: Helmut E. Klein, Franziska Müller-Rech, Prof. Dr. Kerstin Schneider, Ulrike Waterkamp Foto v. l. n. r.: Helmut E. Klein, Franziska Müller-Rech, Prof. Dr. Kerstin Schneider, Ulrike Waterkamp

Wie kann die Politik die Bildungschancen von Kindern weniger abhängig von ihrer sozialen Herkunft machen? Wie gelingt beste Bildung gerade auch unter schwierigen Bedingungen? Wie können wir alle Talente fördern? Wie kann eine gute Schule als Leuchtturm auf einen herausgeforderten Stadtteil wirken? Mit diesen Fragen beschäftige sich die FDP-Landtagsfraktion bei einem Werkstattgespräch im Landtag. „Aufstieg für alle: Talent-Schulen für Nordrhein-Westfalen“ lautete das Motto des Abends. Über 130 Pädagogen, Elternvertreter, Lokalpolitiker und interessierte Bürger waren der Einladung in den Landtag gefolgt.

„Für uns ist es ein nicht hinnehmbarer Zustand, dass 4500 Schüler in NRW die allgemeinbildenden Schulen ohne Abschluss verlassen. Wir wollen nicht tatenlos zuschauen, wie halbe Jahrgänge nicht mal die grundlegenden Kompetenzwerte erreichen. Der jüngste IQB-Bildungstrend war ein erneutes Warnsignal, dass wir die Bildungschancen für alle Kinder unabhängig von ihrer Herkunft verbessern müssen“, sagte Franziska Müller-Rech, schulpolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion. Deshalb hat die FDP gemeinsam mit dem Koalitionspartner CDU die Absicht, in den sozial schwierigsten Stadtteilen des Landes 30 Talent-Schulen mit innovativen pädagogischen Konzepten und modernster Ausstattung zu ermöglichen.

Dabei stehen drei Ziele im Fokus: 1. Talente zu entdecken und zu fördern, wo sie heute zu oft nicht erkannt werden. 2. Die Stigmatisierung einzelner Stadtteile zu durchbrechen, indem gerade dort die besten Lernbedingungen geschaffen werden. Und 3. Bildungschancen gerechter und weniger abhängig von der sozialen Herkunft zu gestalten. Um die Idee auf eine solide Basis zu stellen und ihre Umsetzung voranzutreiben hat die FDP-Fraktion, eine Studie in Auftrag gegeben. Helmut E. Klein hat in seiner Studie die Lernstandserhebungen ausgewertet. Der Blick auf die Zahlen ist erschütternd. Die Studie belegt deutlich, dass Bildungschancen im hohen Maße vom sozialen Umfeld abhängig sind.

In Schulen des Standorttyps 5 – dieser zeichnet sich durch überdurchschnittliche Arbeitslosigkeit, unterdurchschnittliche Einkommen in den Elternhäusern, einen hohen Anteil an Hartz IV-Beziehern und einen großen Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund aus – erreichen in Hauptschulen, Realschulen und Schulen des längeren gemeinsamen Lernens über die Hälfte der Schüler keine Regelstandards. Auch an den Gymnasien sind die Anteile deutlich höher als an Schulen anderer Standorttypen.

Bildungsforscher Klein empfiehlt daher mit den „Talent-Schulen“ beim Standorttyp 5 anzusetzen: „Der hohe Grad der Benachteiligung von Schülerinnen und Schüler aufgrund des sozialen Umfeldes und des Familienhintergrunds, der aus pädagogischer Sicht im Sinne der Bildungsbefähigung und Kompetenzförderung zur Herstellung von Chancengerechtigkeit zu kompensieren ist, stellt vorrangig an Schulen des Standorttyps 5 eine besondere Herausforderung dar. Daraus ergibt sich, dass vorrangig Schulen des Standorttyps 5 und evtl. des Standorttyps 4 als Adressaten des Programms „Talent-Schulen“ angesprochen werden sollten.“ Zudem spricht sich Klein für eine wissenschaftliche Begleitung und Evaluation aus, um Erfolge wirklich messbar zu machen.

Präsentation des Bildungsforschers, Helmut E. Klein

Auf dem Podium des Werkstattgesprächs saßen zudem Ulrike Waterkamp, Schulleiterin der Gesamtschule Waltrop, und Prof. Dr. Kerstin Schneider, Bergische Universität Wuppertal. Die Gesamtschule Waltrop hat als bester Teilnehmer aus NRW beim Wettbewerb „Starke Schule“ bundesweit den 3. Platz belegte und bietet seit Jahren mit einem erfolgreichen Konzept zur Berufsorientierung ihren Schülern in einer wirtschaftlich schwachen Region eine Anschlussperspektive. Die Gesamtschule hat dazu einen Verein gegründet, der als Ansprechpartner für die Unternehmen in der Umgebung fungiert. Damit habe man sehr gute Erfahrungen gemacht. Zudem skizzierte Waterkamp, wie man an der Schule sowohl mit Seiteneinsteigern als auch über die Hobbys und Interessen des Lehrkörpers unterschiedlichste Angebote der Berufsorientierung für MINT, Handwerk, Dienstleistungs- oder Gesundheitsberufe organisiert.

Präsentation der Schulleiterin der Gesamtschule Waltrop, Ulrike Waterkamp

Professor Schneider betonte, dass Bildungspolitik an den verschiedenen Dimensionen ansetzen muss. Die wachsende Heterogenität der Schülerschaft stellt die Schulen vor unterschiedliche Herausforderungen. Mehr Autonomie für die einzelne Schule könne dabei ein Lösungsansatz sein. Schneider konstatiere, dass alleine die Ausschreibung eines Wettbewerbs für die „Talent-Schule“ zum Nachdenken über das pädagogische Konzept führt und diese Auseinandersetzung für die Schule schon gewinnbringend sein kann – auch wenn sie am Ende nicht zu den 30 ausgewählten Schulen gehört. Sie unterstützt die Forderung von Helmut Klein, Talent-Schulen zu evaluieren. Das sei ein Manko der Bildungsforschung, dass es nicht ausreichend Daten gäbe, die langfristige Aussagen über den Erfolg von Maßnahmen zulassen. „Wenn man durch Talent-Schulen erfährt, was gute Schule ausmacht, wäre das international bemerkenswert“, sagte Schneider.

In einer fachkundigen und konstruktiven Diskussion wurden Anregungen des Publikums aufgenommen.