14.01.2021 Schneider: Sexkaufverbot ist keine Lösung

14.01.2021

MedienINFO 2 – Donnerstag,14. Januar 2021

Anhörung zur Sexarbeit
Schneider: Sex
kaufverbot ist keine Lösung

Zu einem Antrag der NRW-Koalition aus CDU und FDP, Unterstützungsangebote für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter auszubauen, hat jetzt eine Sachverständigenanhörung im Landtag stattgefunden. Dazu erklärt Susanne Schneider, gleichstellungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW:

„Das über Monate andauernde Tätigkeitsverbot für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter während der COVID-19-Pandemie haben manche Notlagen und Abhängigkeitsverhältnisse verschärft. Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter waren ohne Einkommen, nicht wenige auch ohne Wohnraum oder Krankenversicherung. Machen wir uns nichts vor: Sexarbeit fand auch während des Tätigkeitsverbots statt. Viele Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter sahen für sich keine andere Möglichkeit, weil staatliche Hilfen für sie nicht zugänglich sind oder nicht ausreichen. Und sexuelle Bedürfnisse lassen sich ohnehin nicht verbieten.

Sexarbeit ist eine Dienstleistung, die Respekt verdient. Ein Sexkaufverbot nach Nordischem Modell würde an dieser Situation nach Auffassung vieler Sachverständiger kaum etwas ändern. Zwar würde die Sichtbarkeit der Sexarbeit zurückgehen, damit würde sie aber nur aus der Öffentlichkeit in die Illegalität verschoben. Gerade Erfahrungen aus Schweden zeigen, dass durch ein Sexkaufverbot die Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter stärker als vorher stigmatisiert werden und der Kundenkontakt oftmals riskanter geworden ist.

Die FDP-Landtagsfraktion NRW lehnt ein generelles Sexkaufverbot ab und setzt sich stattdessen dafür ein, Unterstützungsangebote für Sexarbeiterinnen und Sexarbeiter auszubauen. In der Debatte müssen wir klar zwischen legaler Sexarbeit und Zwang unterscheiden. Zwangsprostitution und Menschenhandel sind Straftaten, die konsequent verfolgt werden müssen. Wir müssen Streetworking-Projekte unterstützen und den Ausbau von niedrigschwelligen und ergebnisoffenen Fachberatungsstellen und Konzepten zur Unterstützung von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern fördern. Begleitend dazu muss es Informations-, Aufklärungs- und Ausstiegsprogramme geben.“

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