27.07.2022 Pinkwart: Bildungsqualität nachhaltig verbessern

27.07.2022

MedienINFO 11 – Mittwoch, 27. Juli 2022

Pinkwart: Bildungsqualität nachhaltig verbessern

Zum bevorstehenden Start des neuen Schuljahres erklärt der schulpolitische Sprecher Prof. Dr. Andreas Pinkwart:

„Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler starten in Nordrhein-Westfalen schon bald in das neue Schuljahr. Der Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung ist in weiten Teilen allerdings undeutlich geblieben, worauf sich Schulen und Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern künftig einstellen müssen.

Ich erwarte von der Landesregierung insbesondere, dass sie an die erzielten Erfolge bei der Bekämpfung des Lehrkräftemangels nahtlos anknüpft. Aktuell stehen laut Schulministerium 160.120 Lehrerstellen und damit 7829 mehr als im Jahr 2017 zur Verfügung. Heute sind also erheblich mehr besetzte Lehrkräftestellen zu verzeichnen als noch 2017. Es wurden wichtige Weichen gestellt, um der bis dahin unzureichenden Personalausstattung an den nordrhein-westfälischen Schulen wirksam zu begegnen. Nun kommt es darauf an, dass sich der Trend fortsetzt. Die Landesregierung muss daher ihre Aktivitäten stets an aktuellen Bedarfsprognosen ausrichten. Angesichts der in den kommenden Jahren steigenden Schülerzahlen ist es unbedingt notwendig, permanent zu prüfen, ob die geplanten Maßnahmen ausreichen. Wir befürworten das Ziel der geplanten Gewinnung von 10.000 zusätzlichen Lehrkräften. Gleichzeitig hinterfragen wir aber kritisch, ob die Landesregierung die notwendigen Voraussetzungen schafft, dem Bedarf an Lehrkräften ausreichend zu decken. Wir dürfen in Nordrhein-Westfalen keine Zeit verlieren, den Unterricht an unseren Schulen nicht nur garantieren zu können, sondern auch die Qualität der schulischen Ausbildung unserer Kinder deutlich zu verbessern.

Insbesondere an den Grundschulen haben Schülerinnen und Schüler, aber auch die Lehrkräfte massiv unter der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Einschränkungen des Präsenzunterrichts gelitten. Die Viertklässler aus dem Jahr 2021 etwa fallen in der Lesefähigkeit gegenüber den Viertklässlern aus dem Jahr 2016 nach gut einem Jahr pandemiebedingter Unterrichtseinschränkungen drastisch zurück. Es gilt nun, gerade die Kernkompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen wieder zu stärken und den Kindern die wichtigsten Bedingungen für eine erfolgreiche Bildungsbiographie mitzugeben. Wir erwarten daher von der Landesregierung ein klares Konzept, wie entstandene Defizite, insbesondere bei den jüngsten Schülerinnen und Schülern, aufgeholt werden können. Im Masterplan Grundschule wurden bereits wichtige Weichen gestellt, um den fachlichen Fokus stärker auf die Erlangung und Festigung der Kernkompetenzen zu lenken.

Nur mit verbesserten Rahmenbedingungen kann es gelingen, wieder mehr junge Menschen für das Lehramt zu gewinnen und den Verbleib der Absolventinnen und Absolventen der Lehramtsstudiengänge im System Schule zu sichern. Wir erwarten daher von der Landesregierung, mit einem Gesamtkonzept die Attraktivität des Lehrerberufs zu steigern. Die Anpassung der Besoldung für Eingangsämter muss sofort und für die Bestandslehrkräfte gestaffelt bis zum Ende der Legislaturperiode umgesetzt werden. Unter der Bedingung einer fairen und zügigen Umsetzungsplanung signalisiert die FDP-Fraktion hierfür eine Bereitschaft zur Zustimmung im Landtag. Darüber hinaus müssen für alle Lehrkräfte und Beschäftigten in unseren Schulen verlässliche und sichere Beschäftigungsverhältnisse geschaffen werden. Mithilfe  von nicht-pädagogischem Personal, wie Schulverwaltungsassistenten, müssen die Lehrkräfte umgehend von Verwaltungsaufgaben entlastet werden. Hierzu sollte auch regelmäßig auf dem Prüfstand stehen, welche nicht-unterrichtlichen Aufgaben tatsächlich notwendig und qualitätssichernd sind. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Lehrerinnen und Lehrer ein hohes Maß an Qualität im Unterricht leisten. Es muss gelingen, dass dieses Engagement nicht an den Rahmenbedingungen scheitert, sondern im vollen Umfang den Schülerinnen und Schülern zugutekommt. Dafür müssen wir den Lehrkräften Freiräume gewähren zu tun, was den Lehrerberuf ausmacht: wichtige Weichen im Leben junger Menschen stellen, Kompetenzen und Wissen vermitteln und die Kinder befähigen, sich Fähigkeiten selbst anzueignen.“

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