Ralf Witzel Ralf Witzel

Spiegel-Interview mit Ralf Witzel

23.04.2016 Düsseldorf

Die Fragen stellte: Frank Dohmen
Quelle: Der Spiegel, Ausgabe 17/2016, 23.04.2016

SPIEGEL: Herr Witzel, die Nachfolgerin der Westdeutschen Landesbank, Portigon, musste am Wochenende einräumen, dass wertvolle Bilder aus ihrer Kunstsammlung geraubt worden sind. Wusste das Parlament davon?

Witzel: Nein, wir waren völlig ahnungslos und haben erst durch die SPIEGEL-Veröffentlichung erfahren, dass der Portigon wichtige Kunstwerke wie die Lithografien der Picasso-Stierserie gestohlen wurden. Das war ein echter Schock und es wirft Fragen auch in puncto Glaubwürdigkeit der Landesregierung auf.

SPIEGEL: Sie spielen darauf an, dass die Landesregierung mit Kunstsachverständigen und Landtagsabgeordneten im Januar 2015 darüber verhandelte, die WestLB-Kunst in eine Stiftung zu überführen, obwohl zahlreiche Werke gar nicht mehr da waren?

Witzel: Genau. Das ist der eigentliche Skandal. SPD-Finanzminister Norbert Walter-Borjans hat uns damals Listen von WestLB-Kunstwerken mit einem Versicherungswert von 28 Millionen Euro vorgelegt. Dabei wusste die Regierung bei der einige Wochen später erfolgten Erörterung, dass ein Teil dieser Bilder nicht mehr da war und somit auch nicht in die Stiftung überführt werden konnte. Das nenne ich Täuschung des Parlaments.

SPIEGEL: Musste Walter-Borjans nicht schweigen, um die Fahndung nach möglichen Tätern nicht zu gefährden?

Witzel: Das kann sein. Aber es hätte die Möglichkeit gegeben, zu einem späteren Zeitpunkt oder vertraulich zu informieren. Das macht die Landesregierung bei vielen anderen Gelegenheiten auch. Hier ist es unterblieben, offenbar um diesen unsinnigen Ankauf der WestLB-Kunstsammlung mit Steuermitteln nicht zu gefährden.

SPIEGEL: Sie sind als Liberale dagegen.

Witzel: Ja, es hätte beispielsweise die Möglichkeiten gegeben, dass private Mäzene und Unternehmen die Werke kaufen und sich verpflichten, sie NRW als Dauerleihgabe zu überlassen. Das hätte die Steuerzahler nichts gekostet. So muss die NRW-Bank den Deal finanzieren. Wir halten das für falsch.

SPIEGEL: Die Landesregierung hatte Anfang des Jahres bereits angekündigt, dass die Kunstwerke in die Stiftung überführt werden sollten. Das ist immer noch nicht geschehen. Haben Sie dafür eine Erklärung?

Witzel: Nein. Die Landesregierung schweigt beharrlich. Deshalb haben wir aktuell auch eine Fragestunde beantragt, in der uns die Verantwortlichen all diese Ungereimtheiten erklären sollen.

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