Lernlücken jetzt schließen – Chancen-Sofortprogramm für die PISA-Generation
I. Ausgangslage
Die PISA-Ergebnisse 2025 sind ein weiterer Warnruf für die deutsche Bildungspolitik. In Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erreicht Deutschland die niedrigsten Werte seit Beginn der jeweiligen Erhebungen. In Mathematik und Lesen haben sich die Leistungen gegenüber 2022 noch einmal verschlechtert. Rund ein Drittel der 15-Jährigen erreicht in allen drei Bereichen nicht einmal das grundlegende Kompetenzniveau.
Diesen Abwärtstrend beobachten wir seit Jahren. Was jetzt zählt, ist deshalb nicht die nächste ausführliche Problembeschreibung, sondern die politische Konsequenz.
Seit 2022 regieren CDU und Grüne in Nordrhein-Westfalen. Bei der Frage, ob alle Kinder gerechte Bildungschancen bekommen, hat sich in dieser Zeit aber nichts spürbar verbessert. Auch das zeigen die PISA-Ergebnisse. Im „Schulkompass NRW 2030" der Landesregierung stehen vor allem mehr Vergleichsarbeiten und Programme, mit denen Kinder die Grundlagen besser lernen sollen. Das ist nicht falsch. Aber noch mehr Tests helfen keinem Kind, das heute in der Schule nicht mehr mitkommt. Entscheidend ist, was zwischen den Tests passiert: Wenn festgestellt wird, dass ein Kind etwas nicht kann, muss es danach auch die Hilfe bekommen, die es braucht.
Für die Jugendlichen, die heute in der 8., 9. oder 10. Klasse sind, kommen viele Pläne der Landesregierung zu spät, weil sie erst in vielen Jahren wirken können. Diese jungen Menschen schreiben jetzt ihre erste Bewerbung. Bald steht der Schulabschluss an, dann der Wechsel ans Berufskolleg oder der Start ins Berufsleben. Wer heute große Probleme beim Lesen, Schreiben oder Rechnen hat oder die deutsche Sprache nicht gut genug versteht, darf nicht vertröstet werden. Es hilft ihnen nicht, dass Reformen in Kita und Grundschule vielleicht irgendwann bei späteren Schülergenerationen ankommen. Diese Jugendlichen brauchen jetzt unsere Hilfe.
Die Landesregierung muss das Schulsystem auf Dauer besser machen. Sie muss aber auch Verantwortung für die Jugendlichen übernehmen, die jetzt kurz vor dem Abschluss stehen. Hier packt sie nicht entschlossen genug an. Neben den großen Reformen braucht Nordrhein-Westfalen deshalb ein Chancen-Sofortprogramm für die PISA-Generation. Es muss schnell wirken, bevor diese Jugendlichen die Schule verlassen.
Nordrhein-Westfalen hat schon nach der Corona-Pandemie gezeigt, dass es schnell handeln kann. Mit dem Programm „Ankommen und Aufholen" bekamen die Schulen zusätzliches Geld, zusätzliches Personal und neue Möglichkeiten, Kinder gezielt zu fördern. So sollten die Lernlücken aus dieser Zeit geschlossen werden. An diese Erfahrung können wir jetzt anknüpfen. Dafür muss niemand ein neues Förderprogramm von Grund auf erfinden.
Im Mittelpunkt muss Deutsch stehen: verstehen, sprechen, lesen und schreiben. Denn wer den Unterricht nicht versteht, kommt in keinem Fach weiter. Genauso wichtig ist das Rechnen, ohne das Ausbildung und Beruf schwer werden. Die Schulen wissen am besten, wer dabei noch Unterstützung braucht. Deshalb sollen sie diese Jugendlichen gezielt ansprechen und ihnen passende zusätzliche Angebote machen können, damit der Schulabschluss und Start in die Ausbildung gelingen.
Dafür braucht es drei Dinge: zusätzliche Förderstunden in kleinen Gruppen, zusätzliche Lernangebote in den Ferien und mehr Personal. Lehrkräfte, die freiwillig zusätzliche Förderstunden übernehmen, sollen für diese Mehrarbeit auch bezahlt werden. Helfen können außerdem Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte und gut geeignete Fachkräfte von außen.
Bei der deutschen Sprache ist der Handlungsbedarf besonders groß. Wer eine Aufgabe nicht sicher versteht oder sein Wissen nicht in Worte fassen kann, kann auch nicht zeigen, was er wirklich kann. Deshalb soll das bestehende „FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch" zu einer Sommerschule Deutsch für ganz Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden. Wer beim Deutschen viel Unterstützung braucht, soll dort in kleinen Gruppen intensiv lernen. Die Schule spricht diese Kinder und Jugendlichen dafür gezielt an.
Auch die Berufskollegs gehören dazu. Sie leisten schon heute viel: Sie bereiten auf die Ausbildung vor, fördern die Sprache und helfen bei der Berufswahl. Sie dürfen aber nicht zum Reparaturbetrieb für alles werden, was in der Schulzeit davor aufgefallen, aber nicht behoben wurde. Deshalb muss die zusätzliche Förderung früher ansetzen, nämlich bevor die Jugendlichen ans Berufskolleg wechseln.
Nach diesem PISA-Schock reicht es nicht, wenn Schwarz-Grün weitere Pläne für die ferne Zukunft ankündigt. Die Jugendlichen, die jetzt kurz vor Ausbildung und Beruf stehen, können nicht warten. Nordrhein-Westfalen braucht deshalb neben den angekündigten Reformen eine schnelle Antwort für diese Schülergeneration, damit ihre Lücken beim Lernen geschlossen werden.
II. Beschlussfassung
Der Landtag stellt fest:
- Die PISA-Ergebnisse 2025 zeigen, dass viele 15-Jährige bei den Grundlagen wie Lesen und Rechnen noch immer große Lücken haben.
- Reformen in Kita und Grundschule sind nötig, kommen aber für die Jugendlichen in den Klassen 8 bis 10 zu spät.
- Die Landesregierung hat keinen Plan vorgelegt, der den Jugendlichen kurzfristig hilft, die jetzt kurz vor dem Schulabschluss und dem Start in die Ausbildung stehen.
- Zusätzliche Förderung muss sich danach richten, was ein Kind wirklich kann und braucht, und darf nicht davon abhängen, ob Eltern sie bezahlen oder organisieren können.
- Das Programm „Ankommen und Aufholen" hat gezeigt, dass zusätzliche Angebote und zusätzliches Personal schnell bereitgestellt werden können.
- Berufskollegs und Ausbildungsbetriebe dürfen nicht auf Dauer ausgleichen müssen, was schon in der Schule davor hätte erkannt und behoben werden können.
Der Landtag beauftragt die Landesregierung,
- unverzüglich ein „Chancen-Sofortprogramm für die PISA-Generation" für Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 bis 10 aufzulegen;
- zusätzliche Förderstunden in kleinen Gruppen zu finanzieren, vor allem in Deutsch und Mathematik;
- beim Aufbau des Programms zu nutzen, was sich bei „Ankommen und Aufholen" bewährt hat;
- Lehrkräfte, die freiwillig zusätzliche Förderstunden übernehmen, dafür angemessen zu bezahlen und außerdem Lehramtsstudierende, pensionierte Lehrkräfte und gut geeignete Fachkräfte von außen einzubeziehen;
- dafür zu sorgen, dass die Förderung beim Wechsel von der Schule ans Berufskolleg oder in die Ausbildung nicht abbricht, sondern nahtlos weitergeht;
- schnell zusätzliche Förderangebote in den Ferien einzurichten; das
„FerienIntensivTraining – FIT in Deutsch" soll zu einer Sommerschule Deutsch für ganz Nordrhein-Westfalen ausgebaut werden, in der Schülerinnen und Schüler mit großem Sprachförderbedarf verbindlich in kleinen Gruppen intensiv Deutsch lernen.