PISA alarmiert, Bildungsmonitor verschärft den Befund: Schwarz-Grün lässt NRW beim Aufstiegsversprechen zurückfallen

Die Ergebnisse der PISA-Studie 2025, die in der vergangenen Woche öffentlich wurden, sind ein weiterer neuer und besonders eindringlicher Warnruf für die deutsche Bildungspolitik. In zentralen Kompetenzbereichen setzt sich eine Entwicklung im Sinne eines kontinuierlichen Abstiegs fort, die demnach längst nicht mehr mit einzelnen schlechten Jahrgängen oder kurzfristigen Kriseneffekten erklärt werden kann. Die Kompetenzen junger Menschen gehen seit Jahren zurück, während gleichzeitig eine immer größere Gruppe selbst grundlegende Kompetenzniveaus nicht sicher erzielt. Inzwischen erreicht etwa ein Drittel der 15-Jährigen in Lesen und Mathematik grundlegende Kompetenzniveaus nicht sicher. Damit drohen immer mehr Jugendliche die Pflichtschulzeit mit Voraussetzungen zu verlassen, die für Ausbildung, Beruf, Studium und eine selbstbestimmte Lebensführung nicht ausreichen.

Für Nordrhein-Westfalen verschärft sich der PISA-Befund nun zusätzlich. Der aktuell vorgestellte INSM-Bildungsmonitor 2026 zeigt weiterhin: Während Deutschland international bereits nur noch Mittelmaß erreicht, gehört Nordrhein-Westfalen innerhalb dieses geschwächten deutschen Bildungssystems selbst zur Schlussgruppe. Bei der Schulqualität belegt Nordrhein-Westfalen Platz 15 von 16 Bundesländern. Die Kompetenzen der nordrhein-westfälischen Schülerinnen und Schüler in Mathematik und Naturwissenschaften liegen unter dem Bundesdurchschnitt. Bei der Bildungsarmut erreicht Nordrhein-Westfalen lediglich Platz 14. Das bedeutet eine große Gruppe gefährdeter junger Menschen, die aufgrund mangelnder Kompetenzen unzureichende Voraussetzungen für ein selbstbestimmtes und ökonomisch stabiles Leben haben.

Die Entwicklung trifft Deutschland und Nordrhein-Westfalen zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt. Der demografische Wandel lässt die Zahl der Erwerbspersonen sinken, während Wirtschaft und öffentliche Daseinsvorsorge schon heute unter Fachkräfteengpässen leiden. Deshalb können wir es uns weniger denn je leisten, Bildungspotenziale ungenutzt zu lassen. Wenn gleichzeitig die Kompetenzen junger Menschen zurückgehen und immer mehr Jugendliche ohne ausreichende Qualifikation in das Erwerbsleben starten, wird aus dem Bildungsproblem unmittelbar ein Wachstums-, Fachkräfte- und Wohlstandsproblem.

Die Einordnung Deutschlands als internationales „Mittelfeld“ von Schulministerin Feller darf nicht zur Beruhigungsformel werden. Für eine Gesellschaft, die den Anspruch hatte und haben muss, Bildungsnation zu sein, ist Mittelmaß ein Alarmsignal und kein akzeptabler Zielzustand. Deutschland hat frühere Leistungsvorsprünge eingebüßt. Wenn immer mehr junge Menschen grundlegende Kompetenzen nicht sicher beherrschen und zugleich ihre soziale Herkunft (inkl. mögliche Zuwanderungsgeschichte) ihre Bildungschancen erheblich mitbestimmt, dann geht es nicht um statistische Rangverschiebungen. Es geht um verlorene Lebenschancen, um gefährdete Fachkräftepotenziale und um das zentrale Versprechen unserer sozialen Marktwirtschaft, dass nicht Herkunft, sondern Talent, Fleiß und Leistungsbereitschaft über den eigenen Bildungs- und Lebensweg entscheiden sollen.

Die beschriebenen Probleme enden nicht mit schlechten Testergebnissen. Die Jugendlichen, deren schwache Kompetenzen PISA heute misst, verlassen in wenigen Jahren oder sogar wenigen Monaten die Schule. Sie müssen den Übergang in Ausbildung und Beruf bewältigen. Sie können nicht darauf warten, dass „konsequent weiter voran gehen“ der Landesregierung Wirkung zeigt.

Gleichzeitig darf die notwendige Unterstützung der heutigen Jugendlichen nicht dazu führen, dass Nordrhein-Westfalen weiterhin erst dann eingreift, wenn Defizite bereits über Jahre entstanden sind. PISA und Bildungsmonitor zeigen übereinstimmend, dass die Ursachen fehlender Bildungschancen viel früher beginnen. Der Befund könnte klarer kaum sein: Wer Chancengerechtigkeit herstellen will, muss früher handeln.

Die Reaktion und die bisherige Regierungsbilanz von Schwarz-Grün fallen mager aus: Während das Bildungssystem insgesamt an Leistungsfähigkeit verliert, will Schwarz-Grün beispielsweise das Einheitsschulsystem mit seinen PRIMUS-Schulen ausweiten. Doch das ist der falsche Weg: Stattdessen muss sich Nordrhein Westfalens Bildungssystem auf die Stärken seiner Schulformen besinnen. Es braucht wieder eine Kultur, in der Anstrengung, Ehrgeiz, Verlässlichkeit und Leistungsbereitschaft positiv besetzt sind. Leistung ist kein Gegensatz zu Chancengerechtigkeit – sie ist ihre Voraussetzung. Schulen müssen junge Menschen dazu befähigen, durch Anstrengung, Ehrgeiz und Leistungsbereitschaft über sich hinauszuwachsen. Gleichzeitig darf sich Bildungspolitik nicht in überholten Strukturdebatten verlieren. Während Schwarz-Grün über Einheitsschulmodelle diskutiert, verlieren Schülerinnen und Schüler bei den grundlegenden Kompetenzen den Anschluss.

Eine moderne Leistungskultur muss zugleich nach vorne gerichtet sein. Digitalisierung und KI-Lernbegleiter bieten große Chancen für den Unterricht, schnellere Rückmeldungen und individuellere Förderung. Rückbesinnung auf Leistung heißt nicht Rückkehr in die Vergangenheit. Ein modernes Bildungssystem verbindet hohe Ansprüche mit moderner Technologie.

Es liegt daher im dringenden öffentlichen Interesse, dass sich der Landtag Nordrhein-Westfalen im Rahmen einer Aktuellen Stunde mit den Konsequenzen der aktuellen
Bildungsbefunde für Nordrhein-Westfalen auseinandersetzt. Der Bildungsabstieg gefährdet längst nicht nur schulische Leistungen. Er gefährdet das Aufstiegsversprechen, verschärft den Fachkräftemangel und kostet Nordrhein-Westfalen wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftschancen. Der Landtag muss deshalb darüber debattieren, warum Nordrhein-Westfalen innerhalb eines bereits geschwächten deutschen Bildungssystems noch weiter zurückliegt und wie es in Zukunft gelingen soll, jedes Kind so zu fördern, dass es hohe Ansprüche erfüllen kann.