Kluge Kinder brauchen die besten Lehrkräfte: Diskussion zum Grundschullehramt in Aachen
Mit dem Start des Grundschullehramtsstudiums an der RWTH Aachen ist ein wichtiger Meilenstein für die Bildungsregion erreicht. Bei einer Veranstaltung der FDP-Landtagsfraktion NRW in Aachen diskutierten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Hochschule, Schule und Handwerk darüber, welche Chancen das neue Studienangebot bietet und welche weiteren Schritte notwendig sind, um die Bildungsregion in Aachen nachhaltig zu stärken.
Auf dem Podium diskutierten Franziska Müller-Rech MdL, stellvertretende Fraktionsvorsitzende sowie schul- und bildungspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW, Dr. Werner Pfeil MdL, regionaler Abgeordneter der FDP-Landtagsfraktion NRW, Matthias Kürten, Vorsitzender des VBE Aachen, Univ.-Prof. Dr. Ir. Dr. h.c. Joost-Pieter Katoen, Prorektor für Lehre der RWTH Aachen sowie Yannic Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Aachen.
Ein Meilenstein für die Bildungsregion
Auf dem Podium bestand große Einigkeit: Die Einführung des Grundschullehramtsstudiums an der RWTH Aachen ist ein bedeutender Erfolg für die gesamte Region. Bereits zum Start des Wintersemesters 2026/27 gingen rund 700 Bewerbungen ein – ein starkes Signal für die Attraktivität des neuen Studienangebots. Bis zum Studienjahr 2029/30 rechnet die RWTH Aachen mit mehr als 350 Studierenden im Grundschullehramt. Positiv bewertet wurden zudem die bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit der Partneruniversität Wuppertal.
Für die Region eröffnet der Studiengang neue Perspektiven. Künftig können Grundschullehrkräfte vor Ort ausgebildet werden – eine wichtige Voraussetzung dafür, dass möglichst viele Absolventinnen und Absolventen nach ihrem Studium in der Region bleiben und hier an den Schulen unterrichten. Dieser sogenannte Klebeeffekt ist ein entscheidender Baustein, um dem Lehrkräftemangel in der StädteRegion Aachen und darüber hinaus langfristig entgegenzuwirken. Bereits jetzt merken die Grundschulen in der Region eine „Entspannung“, indem erste Grundschullehramtsstudierende mit Vertretungsverträgen in die Praxis einsteigen.
Die besten Köpfe für das Lehramt gewinnen
Neben den erfreulichen Entwicklungen wurde zugleich auf eine Herausforderung hingewiesen: Bundesweit gehen die Studierendenzahlen im Lehramt zurück. Die Diskussionsteilnehmer waren sich deshalb einig, dass das Lehramtsstudium wieder attraktiver werden muss, um die besten Köpfe für den Lehrerberuf zu gewinnen. Denn gute Bildung beginnt mit hervorragend ausgebildeten Lehrkräften. Franziska Müller-Rech machte deutlich, dass der erfolgreiche Aufbau des Studiengangs ein wichtiger Schritt sei, nun aber konsequent daran gearbeitet werden müsse, mehr junge Menschen für den Lehrerberuf zu begeistern und dem Lehrkräftemangel nachhaltig entgegenzuwirken.
Schule, Hochschule und Praxis enger vernetzen
Matthias Kürten vom VBE begrüßte die Einführung des Studiengangs ausdrücklich: „Was lange währt, wird endlich gut.“ Besonders freue ihn die Begeisterung, mit der die RWTH diese neue Aufgabe angenommen habe. Man spüre, dass hier nicht lediglich ein weiterer Studiengang geschaffen worden sei, sondern Verantwortung für die Bildungsregion übernommen werde. Zugleich sprach sich Kürten für eine noch engere Zusammenarbeit zwischen den Schulen der Region und der RWTH Aachen aus. Mehr gemeinsame Projekte, Forschungskooperationen sowie Begegnungen zwischen Studierenden, Lehrkräften sowie Schülerinnen und Schülern könnten die Lehrkräfteausbildung weiter stärken. Als Zukunftsprojekt regte er ein naturwissenschaftliches Schülerlabor für Grundschulen an der RWTH an, in dem Kinder frühzeitig für Naturwissenschaften begeistert werden.
Talente früh fördern – akademische und berufliche Bildung gemeinsam stärken
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung. Yannic Schmitt warb dafür, Kinder bereits in der Grundschule mit handwerklichen Tätigkeiten vertraut zu machen und ihre unterschiedlichen Begabungen frühzeitig zu entdecken und zu fördern. Der Werkunterricht könne dabei einen wichtigen Beitrag leisten: Kinder erleben dort die Freude am eigenen Schaffen, entwickeln handwerkliche Fähigkeiten und erfahren Selbstwirksamkeit durch sichtbare Ergebnisse ihrer Arbeit.
Einigkeit bestand darüber, dass akademische und berufliche Bildung keine Gegensätze sind. Vielmehr müsse jedes Kind entsprechend seiner individuellen Fähigkeiten und Interessen gefördert werden. Das Handwerk sei für viele junge Menschen ein attraktiver Berufsweg und verdiene deshalb bereits in der Schule mehr Aufmerksamkeit. Entscheidend sei, dass der Bildungserfolg weniger vom Elternhaus als von Talent, Neigung und Einsatz abhänge.
Kluge Kinder im Mittelpunkt
Die Veranstaltung machte deutlich: Mit dem Grundschullehramtsstudium an der RWTH Aachen ist ein lange verfolgtes Ziel erreicht worden. Jetzt gilt es, den erfolgreichen Start zu nutzen, die Lehrkräfteausbildung weiter zu stärken und Schule, Hochschule sowie Praxis noch enger miteinander zu vernetzen. Denn kluge Kinder brauchen die besten Lehrkräfte – und starke Grundschulen sind die Grundlage für beste Bildung und echte Chancengerechtigkeit.