Über 1.000 Kassensitze unbesetzt – Schneider (FDP): Brauchen konsequenten Bürokratieabbau für Hausärztinnen und Hausärzte
Die Antwort auf eine Kleine Anfrage der FDP-Landtagsfraktion zeigt: Aktuell sind 1.040 Hausarztsitze in Nordrhein-Westfalen unbesetzt, in den nächsten Jahren wird der Nachwuchsbedarf weiter steigen.
Susanne Schneider
Im Gespräch mit der Rheinischen Post sagte Susanne Schneider, gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Landtagsfraktion NRW:
„Die Hausärztinnen und Hausärzte sind die Basis unserer Gesundheitsversorgung. Hier gibt es ein enges, meist über Jahre gewachsenes Band zwischen Ärzteschaft sowie Patientinnen und Patienten. Als zentrale Anlaufstelle sorgen die Hausärztinnen und Hausärzte dafür, überflüssige Kosten im Gesundheitswesen gar nicht erst entstehen zu lassen. Sie verhindern einerseits unnötige Besuche bei Fachärzten und beschleunigen andererseits dringende Termine bei der Fachärzteschaft.
Unter Regierungsbeteiligung der FDP haben wir in Nordrhein-Westfalen wichtige Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die hausärztliche Versorgung zu verbessern: Die Medizinstudienplätze wurden mit der neuen Fakultät in Bielefeld und der Verdopplung der Plätze in Witten/Herdecke deutlich aufgestockt. Die Landarztquote wurde eingeführt. Diese Maßnahmen scheinen Landesgesundheitsminister Laumann genug zu sein. Auf meine Kleine Anfrage, was denn die Landesregierung unternimmt, um die hausärztliche Versorgung zu verbessern, hat er quasi nur die bisherigen Initiativen aufgezählt. Die waren mir aber durchaus bekannt. Sich auf Lorbeeren auszuruhen, war noch nie die beste Strategie. Unverständlich ist zudem, dass Laumann die Begrenzung von Vergütungen positiv bewertet, auch wenn er die Auswirkungen auf die hausärztliche Versorgung nicht beurteilen kann.
Wir wollen eine starke Wirtschaft, auch im Gesundheitswesen. Das heißt: Es muss mehr Angebote zur Unterstützung bei Praxisgründungen oder -übernahmen in unterversorgten Gebieten geben. Hausärzte müssen dort gezielt gehalten oder angeworben werden, wo sie fehlen. Als Freie Demokraten fordern wir zudem einen konsequenten Bürokratieabbau für Hausärztinnen und Hausärzte. Viele von ihnen klagen über eine Flut an Formularen, unsinnige Berichtspflichten und tägliche Technikpannen. Das ist ein klassisches Fetter-Staat-Problem und nicht nur frustrierend, sondern gefährdet die Patientenversorgung.
Die Reformpläne der Bundesgesundheitsministerin Warken machen Hausärztinnen und Hausärzte derzeit zu den großen Verlierern. Wir wollen nicht zurück in die Zeiten, in denen Hausarztpraxen am Ende des Quartals schließen mussten, weil sie ihre Leistungen nicht vergütet bekamen. Leistungen müssen sich lohnen und dürfen nicht bestraft werden, erst recht für die Gesundheit der Menschen in unserem Land.“