HPV-Impfungen fördern – freiwillige Schulimpfungen einführen!

I. Ausgangslage

Humane Papillomviren (HPV) befallen Zellen der Haut oder der Schleimhaut. Meistens klingt die Infektion der Schleimhaut dank einer wirksamen Immunabwehr innerhalb etwa eines Jahres ohne gesundheitliche Probleme wieder ab. Infektionen verlaufen häufig ohne erkennbare Symptomatik. Betroffene wissen daher oft gar nicht, dass sie eine HPV-Infektion haben oder bereits hatten.

In rund zehn Prozent der Fälle bleibt die Infektion allerdings dauerhaft bestehen. Eine anhaltende (chronisch persistierende) Infektion kann zu Gewebeveränderungen führen. Aus diesen Vorstufen kann sich wiederum im Laufe von mehreren Jahren eine Krebserkrankung entwickeln, vor allem Gebärmutterhalskrebs, Vulva- und Vaginalkrebs, Analkrebs, Peniskrebs sowie Mund- und Rachenkrebs. Schätzungsweise 7.700 Krebsneuerkrankungen werden in Deutschland durch HPV-Infektionen verursacht.

Hochrisiko-HPV-Typen gelten als primäre Ursache für Gebärmutterhalskrebs. Dieser wird am häufigsten bei Frauen im Alter von 40 bis 44 Jahren diagnostiziert. Fünf Jahre nach der Diagnose leben nur noch 69 von 100 Patientinnen. In Deutschland sterben jedes Jahr rund 1.500 Frauen daran. Allerdings sind nicht nur Frauen von HPV-Infektionen und deren Folgen betroffen; etwa ein Fünftel der Krebserkrankungen, die mit HPV in Zusammenhang stehen, entfällt
auf Männer.

Durch eine Impfung gegen HPV könnte die Zahl dieser Krebserkrankungen deutlich gesenkt werden. Allerdings waren in Deutschland im Jahr 2020 nur 51 Prozent der Mädchen und 17 Prozent der Jungen im Alter von 15 Jahren gegen HPV geimpft. Das von der WHO gesteckte Ziel, bis 2030 eine Impfquote von 90 Prozent bei den 15-jährigen Mädchen zu erreichen, wird bislang deutlich verfehlt.

Bereits seit 2006 gibt es eine Impfung gegen HPV. In Deutschland sind derzeit zwei verschiedene HPV-Impfstoffe erhältlich. Beide bieten einen nahezu hundertprozentigen Schutz vor einer Infektion mit bestimmten HPV-Typen, darunter den beiden häufigsten Hochrisiko-HPV-Typen 16 und 18. Die Impfungen gelten als gut verträglich.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt seit 2007 die Impfung gegen HPV für Mädchen und seit 2018 auch für Jungen. Die Impfung sollte im Alter von 9 bis 14 Jahren vorgenommen werden. Spätestens bis zum Alter von 17 Jahren sollen versäumte Impfungen gegen HPV nachgeholt werden. Die Impfung sollte außerdem möglichst vor dem ersten Geschlechts- verkehr abgeschlossen sein, da HPV überwiegend sexuell übertragen werden.

Schutzimpfungen auf Grundlage der Empfehlungen der STIKO sind eine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung. Darüber hinaus haben etliche Krankenkassen für Versicherte im Alter von 18 bis 26 Jahren eine Satzungsleistung für die HPV-Impfung vorgesehen. Eine Zuzahlung zu Impfstoffen durch die Patientinnen und Patienten ist dabei teilweise nicht erforderlich.

In Deutschland wird die HPV-Impfung, wie viele andere Impfungen, vorwiegend von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten in ihren Praxen durchgeführt. In Australien und England haben Angebote der HPV-Impfung in Schulen gezeigt, dass dies eine effektive Strategie ist, um hohe HPV-Impfraten zu erreichen. Dort liegen die Impfraten bei mehr als 80 Prozent der entsprechenden Altersgruppen. Österreich setzt im Rahmen des nationalen Impfprogramm teilweise
auch auf Schulimpfungen.

Auch in Deutschland wurden bereits auf regionaler Ebene und in Bundesländern mehrere Modellprojekte zu freiwilligen Schulimpfungen gegen HPV-Infektionen initiiert, zum Beispiel in der Metropolregion Rhein-Neckar oder im Bundesland Bremen.

Nach einer durch den Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Nationalen Krebspräventionszentrums in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage befürworten in Deutschland über zwei Drittel ein freiwilliges HPV-Impfprogramm in Schulen. In Nordrhein-Westfalen liegt die Zustimmungsquote bei 71 Prozent.

Die nordrhein-westfälische Landesregierung verweist in der Antwort auf eine Anfrage zur Verbesserung der HPV-Impfquote auf allgemeine Impfkampagnen, wie die landesweite Kampagne „Impfcheck NRW –jetzt Impfschutz prüfen!“ sowie den „NRW-Impftag“. Zudem befinde sich die Krebsgesellschaft Nordrhein-Westfalen e.V. derzeit in Gesprächen mit dem Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, ob ein Projekt „Gesundheitsbildung mit dem Fokus auf HPV-Impfaufklärung und -motivation für Schülerinnen und Schüler und Erwachsene“ gefördert werden kann. Die Einführung eines Angebots freiwilliger HPV-Impfungen an Schulen
sei nicht geplant, eine aktive Aufforderung zu freiwilligen HPV-Impfungen erfolge nicht.

II. Beschlussfassung

Der Landtag beauftragt die Landesregierung,

  • die Information über die HPV-Impfung in Zusammenarbeit mit Ärzteschaft und Krankenkassen weiter zu stärken, um die Eigenverantwortung der Menschen zu fördern, Misstrauen gegenüber der Impfung zu reduzieren und so die Motivation zum Impfen zu steigern.
     
  • bei der Impfaufklärung alle Geschlechter zu berücksichtigen, um insbesondere auch die Quoten der HPV-Impfungen bei Jungen und jungen Männern zu erhöhen.
     
  • an nordrhein-westfälischen Schulen ein landesweit koordiniertes Programm freiwilliger HPV-Impfungen einzuführen.